Willkommen Neuanfang
Herbert Knappe Sterngasse 13 64347 Griesheim Tel.: 06155 64483 E-Mail: HerbertKnappe@t-online.de
Schon damals, als ich mit dem Malen anfing, hatte ich die Idee, sich liebende Paare bei der sexuellen Vereinigung bei jener symbiotischen Verschmelzung zu malen, die guten Sex auszeichnet. Die Metaphern die ich dafür fand, griffen alle zu kurz und wurden diesem besonderen Moment nicht gerecht. Ich gab diesen Plan auf. Das Thema ließ mich trotzdem nicht los.
Als dann die Pornowelle über uns hereinschwappte, begriff ich, dass die Darstellung des sexuellen Aktes in diesen Filmen und Bildern genau das Gegenteil von dem abbildeten, was ich damals versucht hatte in Bildern zu fassen. Keine Zärtlichkeit, keine echte Nähe, kein ineinander Verschmelzen. Reiner Vollzug des geschlechtlichen Aktes zweier oder mehrere Menschen, die sich oft fremd sind und den Geschlechtsverkehr und unzählige andere Varianten sexueller Praktiken nicht zur gegenseitigen Befriedigung ausüben, sondern lediglich für die Kamera posen. Die Männer kommen (meistens Viagra gestützt) als Anhängsel ihres Schwanzes, als Machos oder als Vollpfosten vor. Die Frauen lassen alles über sich ergehen und ähneln auch in ihrem Gesichtsausdruck jenen aufblasbaren Sexpuppen, die es in Sexshops zu kaufen gibt. Pflichtschuldig täuschen sie durch Mimik und Stöhnen meist nicht vorhandene Lust vor. Als furiosen Leistungsnachweis des Aktes lassen sich die Frauen oft zum Schluß mit dem männlichen Samen besabbern.
Ich versuche durch die Darstellung dieser überspitzt entfremdeten Sexualität, den Mangel und die Leerstellen, die diese hinterlässt, in Bildern zu fassen, um auf diesem Weg zumindest teilweise mein Ziel zu erreichen. Ob mir dies bisher gelungen ist liegt wohl im Auge des Betrachters.
Mir liegt es fern, durch meine Gemälde dieses Phänomen moralisch zu beurteilen bzw. zu verurteilen. Die Menschen, die sich dafür hergeben, tun dies für Geld oder aus Lust an der exhibitionistischen Zurschaustellung. Und was die Konsumenten betrifft, sollen laut  statistischer Daten pornographische Seiten wesentlich öfter aufgerufen werden als z.B. die Seiten von Amazon. Es liegt hier augenscheinlich ein breites, stillschweigendes gesellschaftliches Agreement zwischen Produzenten und Konsumenten vor. Wobei Frauen einen immer größer werdenden Anteil an dieser Konsumentengruppe stellen. Es muss auch erwähnt werden, dass das Überangebot an pornographischen Darstellungen sich ähnlich auswirkt wie eine Drogensucht. Konsumenten brauchen immer exotischere, bizarrere Darbietungen, um den gleichen Kick zu bekommen wie in der Vergangenheit. Die inflationär betriebene Pornographie höhlt sich dadurch selbst aus und muss ständig nach neuen Highlights suchen, um im Geschäft zu bleiben.